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30.06.2021 | KPMG Law Insights

Baustelle Vergabestatistik Deutschland

Baustelle Vergabestatistik Deutschland

Der deutsche Vergabemarkt ist mit geschätzt bis zu 400 Mrd. Euro einer der größten in Europa. Wie ist er strukturiert und was sind die Prognosen für die Zukunft?

Nach amtlichen Schätzungen des BMWi gibt es in Deutschland ca. 30.000 verschiedene Vergabestellen. Art und Größe der Vergabestellen unterscheiden sich dabei sehr. Egal ob es sich um eine kleine Gemeinde oder ein Ministerium auf Bundesebene handelt, alle sind an den steigenden Vergabevolumen in Deutschland beteiligt und teilen oft mitunter ähnliche Herausforderungen. Entsprechend dieser Schätzungen werden jährlich an die 2,4 Millionen Vergabeverfahren mit einem Vergabevolumen von ca. 400 Milliarden Euro durchgeführt – Prognose steigend. Dies macht 10 – 15 % des Bruttoinlandsprodukts aus, was Deutschland an die Europäische Spitze in Sachen öffentliche Vergabe stellt. Interessant hierbei ist, dass 90 % aller Vergabeverfahren und 75 % des Vergabevolumens im Unterschwellenbereich liegen.

Handlungsbedarf bei Vergabestatistiken bereits erkannt

Die Suche nach genaueren Statistiken und Daten ist sehr mühsam und erschwerend. Während die Statistiken für die EU-weiten Ausschreibungen bereits weitgehend aussagekräftig sind, besteht für nationale Ausschreibungen noch Handlungsbedarf.
So erfasst und analysiert das Internetportal Opentender im Detail alle EU-weiten Ausschreibungen. Das gestaltet die Suche nach benötigten Daten für diese Vergabeverfahren deutlich übersichtlicher. Diese Übersichtlichkeit hilft potenziellen Bietern insbesondere im Mittelstand, die eigene Auftragsplanung für die kommende Geschäftsperiode besser vorzubereiten.
Eine gleiche statistische Qualität besteht für die nationalen Vergabeverfahren im deutschen Wirtschaftsraum gleichzeitig noch nicht. Die Lücke ist von BMWi erkannt worden. So hat die Bundesregierung die Absicht eine Vergabestatistik einzuführen, die sowohl die EU-weiten Ausschreibungen als auch die nationalen Ausschreibungen einschließt. Es ist beabsichtigt, die Vergabestatistik Anfang 2020 in Betrieb zu nehmen. Die damit verbundenen Vorteile für die Verfahrensbeteiligten sind aber nicht ohne Preis:
Sämtliche Verfahren ab einem Auftragsvolumen ab 25.000 Euro werden voraussichtlich auf elektronischen Wege, zeitnah und mit umfangreichen Datensätzen an das Statistische Bundesamt zu melden sein. Es ist anzunehmen, dass diese zukünftige Meldepflicht vor enorme prozessuale oder organisatorische Herausforderungen stellt.

Fazit

Der großen Bedeutung des öffentlichen Sektors entsprechend, ist es notwendig und begrüßenswert Art und Umfang der Vergabestatistik weiter zu optimieren. Den Vergabestellen in Deutschland ist zu empfehlen, sich auf die anstehenden Meldepflichten rechtzeitig einzustellen.

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